Ist die Emscher wieder ein sauberer Fluss?

Die Emscher war einst der dreckigste Fluss Europas und die stinkende Kloake des Ruhrgebiets. Warum der rund 83km lange Fluss den Namen Emscher bekam, ist nicht mehr eindeutig zu klären. Der alte Flurnamen Emscher bezieht sich wahrscheinlich auf das plattdeutsche Wort Lämscher, doch die wahre etymologische Bedeutung ist wie bei vielen alten Ortsbezeichnungen unklar.
Und obwohl der Begriff Emscher nicht eindeutig zu erklären ist, kann sehr gut begründet werden, warum die Emschern heute wieder Emscher genannt wird- denn bis in das 20. Jahrhundert hieß der Fluss nur die Köttelbecke.

Die Emscher- einst Abwasserkanal des Ruhrgebiets

Die Emscher wurde nicht ohne driftigen Grund Köttelbecke genannt. Doch wie kam es zu diesem Namen?
Umgangsprachlich wid im Ruhrgebiet zum Beispiel ein Hundehaufen Hundeköttel genannt -Köttel ist also ein Ausdruck für Kot. Außerdem bezeichnet der Begriff Becke im niederdeutschen Sprachgebrauch einen Bach. Aus diesen Begriffen wurde dann etymologisch der zusammengesetzte Namen Köttelbecke, oder in der rauhen Sprache des Ruhrgebiets auch der „Scheißbach“.

Durch die starke Belastung mit giftigem Abwasser der Industrie und des Bergbaus sowie die Zuleitung von stinkenden Fäkalien war die Emscher ein zerstörtes Ökosystem. Ein Teil des Abwassers und der Kanalisation musste in der Ruhrregion überirdisch in Flüsse abgeleitet werden, da zu erwartende Bergschäden und Senkungen durch den Bergbau eine langstreckige unterirdische Kanalisation und Drainage geschädigt hätten. Die Köttelbecker war daher der zentrale, überirdisch verlaufende Abwasserkanal des Rurgebietes und damit eine stinkende, kloakenhafte Brühe. Vor allem im Hochsommer berichten Zeitzeugen von einer massivsten Geruchsbelastung durch den ökologisch vollkommen zerstörten Fluss.

Image- und Strukturwandel im Ruhrgebiet

Durch den raschen und nachhaltigen Image- und Strukturwandel im Ruhrgebiet bekam die Emscher ihren Flurnamen Emscher zurück- schließlich wollte man sich vom ehemaligen dreckigen „Scheißbach“ distanzieren. Doch nicht nur eine Namensänderung hat der Fluss durchlaufen – sondern auch eine umfangreiche Renaturierung erfahren. Mit einem finanziellen Volumen von über 4,5 Milliarden Euro wurde der Emscher in insgesamt drei Phasen ihr Gesicht zurückgegeben – und der Fluss ist heute sauberer denn je.

Renaturierung machte aus der Köttelbecke wieder die alte Emscher

In insgesamt drei wichtigen Phasen der Renaturierung wurde aus dem stinkenden „Scheißbach“, also aus der ehemaligen Köttelbecke ein intakter Naturraum. Was mit der Errichtung von insgesamt vier Großkläranlagen begann, wurde dann mit einer Optimierung der Kanal- und abwässersysteme parallel zur Emscher weitergeführt. Bereits durch diese Maßnahmen kam es zu einer wesentlichen Verbesserung der Wasserqualität: nun entwickelt sich die Emscher wieder zu einem eigenen, intakten Ökoystem.

In einem weiteren Schritt wurde dem Fluss dann durch eine teilweise Aufhebung der Begradigung ein Naturraum zurückgegeben. Auch die Begrünung der Böschung und des Flussufers sowie das Gestalten eines natürlichen Flussverlaufs führte zu einer erheblichen Verbesserung der Flussökologie.

Somit konnte aus der Kloake des Ruhrgebietes ein vorzeigbarer Fluss werden – die Emscher, eine zentrale Wasserader der Ruhrregion.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.