Wie wird die Emscher renaturiert?

Die Emscher, einst der dreckigste Fluss Europas und die stinkende Kloake des Ruhrgebiets, ist nun einem umfangreichen Projekt der Renaturierung unterzogen. Der rund 83km lange Fluss, der früher nicht umsonst „Köttelbecke“ – aus dem Niederdeutschen frei übersetzt „Scheißbach„- genannt, war früher ein mit Abwasser aus der Industrie und dem Bergbau sowie den Fäkalien der Ruhrregion angereichert. Die stinkende Kloake zog sich von den Emscherstädten bis nach Dinslaken, wo die Emscher in den Rhein mündet.

Renaturierung – dringend erforderlich

Durch die starke Belastung mit giftigem Abwasser und stinkenden Fäkalien war die Emscher ein zerstörtes Ökosystem. Ein Teil des Abwassers der Ruhrregion musste überirdisch in Flüsse abgeleitet werden, da zu erwartende Bergschäden und Senkungen durch den Bergbau eine langstreckige unterirdische Kanalisation und Drainage geschädigt hätten.
Mit dem Image- und Strukturwandel des Ruhrgebiets wurde dann die Renaturierung der Emscher initiiert.

Wie geschieht die Renaturierung der Emscher?

Die Emscher ist aktuelle sauberer den je – dafür sind die umfangreichen und nachhaltigen Renaturierungsmaßnahmen verantwortlich, die seit den frühen 90er-Jahren eingeleitet wurden und der Emscher ihren Naturraum zurückgaben.
Diese Maßnahmen – augenscheinlich sehr erfolgreich- sind in verschiedene Phasen aufgeteilt. Das finanzielle Volumen, welches für die Renaturierung zur Verfügung steht, beläuft sich auf ca. 4,5 Miliiarden Euro. Mit dieser gigantischen Summe will die Ruhrregion nun endlich das Image der stinkenden Köttelbeck loswerden – bisher mit nachhaltigem Erfolg. Das Projekti erstreckt sich über den Zeitraum 1992 bis ca. 2020 – dann soll es mit einem stabilen Ökosystem Emscher abgeschlossen sein.

1. Phase der Renaturierung (1992-1999) – Etablierung von Kläranlagen

In diesem Zeitraum wurden insgesamt vier Großkläranlagen in Dortmund, Bottrop, Dinslaken und Duisburg errichtet. Hiermit wurde ein erster, wichtiger Schritt getan, um die Fäkallast der Emscher zu reduzieren. Bereits kurz nach der Inbetriebnahme der Kläranlage war die Geruchsbelastung durch die Emscher bereits deutlich zurückgegangen – allerdings konnte der Fluss beispielsweise im Hochsommer durchaus noch nach Fäkalien riechen- insbesondere in den Abschnitten, die weiter entfernt von den genannten Kläranlagen waren.

2. Phase der Renaturierung (1995-2018) – Schaffung von suffizienten Abwasserkanälen

Um stinkendes Abwasser von der Emscher abzuhalten, war das Anlegen zahlreicher Kanalanlagen notwendig.
Diese wurden unterirdisch konzipiert und verlaufen in einer Tiefe von bis zu 40 Metern parallel zur Emscher. In diesem Teilschritt war die besondere Herausforderung, Kanalschäden durch Bergsenkungen vorherzusehen und zu verhindern.

3. Phase der Renaturierung (2018-2020) – Gestaltung eines möglichst natürlichen Verlaufs

Nachdem die Emscher weitgehend abwasserfrei geworden war, steht in dieser letzten Phase eine natürliche Gestaltung des Naturraums an. Hierzu werden Betoneinfassungen entfernt, Flussufer und Böschungen ökologisch gestaltet sowie in großen Teilen die Begradigung aufgehoben und der Fluss wieder in natürliche Kurven gelenkt, um einen ökologisch ansprechenden Naturraum zu schaffen.

Mit diesen umfangreichen Maßnahmen ist es bisher gelungen, das die Emscher sauberer denn je ist. Doch das Projekt ist noch nicht abgeschlossen, und viele Einzelmaßnahmen werden zu den Großprojekten noch hinzukommen.

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